Begründung zum Ausfall der wöchentlichen Poldo-Vokü..

..im Zuge der Fußballweltmeisterschaft der Männer

„Das Publikum ist ein anderes und möchte seine Wurst.“

Wir, die Tierbefreiung Rostock, kümmern uns seit einiger Zeit um das Essen (die Vokü) zum wöchentlich stattfindenen Politischen Donnerstag von SoBi. Unser Anspruch dabei ist es, eine vollständige Alternative zum alltäglichen Tierprodukt- und Fleischkonsum zu schaffen. Dies war letztenendes auch unsere Intention, die Poldo-Vokü auf freiwilliger Basis zu übernehmen und jeden Donnerstag eigenständig zu organisieren.

Nachdem es allgemein hieß, dass während der Poldo-Vokü kein Fleisch gegrillt werden würde – zum einen aus Respekt vor unserer Arbeit und unserem Anliegen, zum anderen damit durch das „Konkurrenzgeschäft“ keine Verluste entstünden, Essen übrig bliebe etc. –, mussten wir am letzten Donnerstag feststellen, dass dieser Kompromiss nun für die Zeit der Männer-WM und des Fußballguckens im Freigarten ausgesetzt und mit folgendem, sinngemäßen Zitat begründet wurde: „Das Publikum ist ein anderes und möchte seine Wurst.“
Darauf möchten wir auf diesem Wege begegnen und unsere Kritik formulieren.

Unsere Kritik an diesem Zustand

Zum einen empfinden wir unser Engagement und den damit verbundenen Arbeits- und Zeitaufwand als gänzlich entwertet, wenn das von uns gekochte Essen durch das gleichzeitige grillen von Fleisch zu einer reinen Beilage verkommt, wie es beispielsweise letzte Woche massenhaft der Fall war. Wir kochen sowohl aus ethischen und sozialen, als auch aus ökologischen und ökonomischen Gründen rein vegan und fühlen uns ganz einfach nicht ernst genommen, übergangen und respektlos behandelt (ganz zu schweigen von den getöteten Tieren und der grundsätzlichen Frage, ob die Entscheidungsfreiheit zu essen was man_frau möchte, über der Freiheit zu leben stehen sollte), wenn unsere Intention derart in die Ecke gestellt wird.

Zum anderen finden wir, dass in einem Freiraum, als welchen wir die Vokü und darüber hinaus das gesammte Peter Weiss Haus mit seinem Freigarten, der OKJA etc. sehen, keine Mehrheiten zählen sollten, sondern ein an Minderheiten angelegter Konsens gefunden werden muss. Daher dürfte es ebenso wenig zuviel verlangt sein, einen Tag in der Woche im Freigarten auf Tierprodukte zu verzichten, wie es normal ist, im PWH nicht zu rauchen.
Anknüpfend an diesen Punkt denken wir, dass das Konzept eines Freiraums ebenso verfehlt ist, wenn im Sinne einer mangelnden Konsumkritik das kapitalistische Prinzip des Angebots und der Nachfrage in Zeiten der WM und des „anderen Publikums“ bestimmt, was es zu essen gibt.

Unsere Konsequenz

Nach langem hin- und herüberlegen haben wir uns auf Grund der angeführten Argumente dazu entschieden, die Vokü bis nach der WM (bis einschließlich 8. Juli) ruhen zu lassen, um dann hoffentlich wieder in allseits bekannten Verhältnisse für euch kochen zu können.

In diesem Sinne,
Tierbefreiung Rostock


8 Antworten auf „Begründung zum Ausfall der wöchentlichen Poldo-Vokü..“


  1. 1 useless 01. Juli 2010 um 16:45 Uhr

    finde das sehr schade… kann aber nachvollziehen, das euch die momentane atmosphäre im PWH unerträglich vorkommen müsste.

    Hoffe das ihr trotzdem nicht den Spaß am Kochen verliert!

  2. 2 Thorsten 02. Juli 2010 um 19:48 Uhr

    Schwierige Situation, aber gute Entscheidung. Es ist zu hoffen, dass nach dem Ende des nationalistischen Fußball-Taumels wieder etwas sympathische „Normalität“ im PWH einkehrt und die Sobis ernsthaft diskutieren, ob ihre Entscheidung für Public-Viewing eine richtige war…

  3. 3 Pflanzenfreund 04. Juli 2010 um 17:12 Uhr

    Ihr tötet Pflanzen, statt Tieren und fühlt Euch nicht für voll genommen..
    Zu Recht!

  4. 4 Marille 04. Juli 2010 um 21:10 Uhr

    Nach Auffassung von vielen Veganern sollte die entscheidende Aufgabe eines jeden Menschen sein, möglichst kein Lied mit seiner Existenz zu produzieren. Nach derzeitigem wissenschaftlichen Stand sind Pflanzen nicht fähig Schmerzen zu empfinden, da sie weder ein Nervensystem noch irgend etwas äquivalentes aufweisen. Und das unterscheidet sie von Tieren.
    Allein daher muss zwischen dem verzehr von Tieren und dem von Pflanzen unterschieden werden.

    Außerdem: Auch der Mensch muss sich um seiner eigenen Existenz Willen von irgend etwas ernähren. Da ist es nur sinnvoll wenigstens anderen Tieren kein physisches und psychisches Leid zuzufügen und nur Pflanzen (ohne Schmerzen) zu verzehren, statt beides. Im Übrigen muss der Mensch um so mehr Pflanzen „töten“, um andere Tiere zu essen. Diese füttert er nähmlich mit sehr viel mehr Pflanzen, als er essen könnte, würde er sich nur von Gemüse etc. ernähren.

  5. 5 Hamburger Hasz 13. Juli 2010 um 14:22 Uhr

    @Marille: Grundsätzlich gebe ich dir recht, aber Leid ist nicht nur Schmerz. Die industrielle Vernichtung ganzer Wälder, die genetische Zucht von Getreide, Obst etc ist der Grundstein für die Ausbeutung schmerzempfindlicher Lebewesen. Natürlich muß der Mensch sich selbst erhalten, aber der Mord an Tieren und die Ausrottung ganzer Pflanzenarten wird nicht durch das Umstellen der Ernährung enden. So bitter es klingt, aber dieser Planet wird sich erst dann erholen, wenn der Mensch eine libertäre Gesellschaft aufgebaut hat und sich – daraus folgend – seine Zahl auf ein Normalmaß reduziert. Speziesisten sind wir alle, schon in dem Moment wo wir uns über anderes Leben stellen.

    Davon ab fand ich die VoKü (wenn ich denn mal da war) immer Klasse und hoffe auch das ihr weitermacht! Es sind gerade diese kleinen Kämpfe die Veränderung schaffen, laßt euch davon nicht entmutigen! Solidarität aus Bergedorf, YEAH!

  6. 6 Rinder Wahn 06. Oktober 2010 um 10:44 Uhr

    Iher Suppenkasper, esst mehr Fleisch, wir Schlachter wollen schließlich auch leben.

  7. 7 Soja Wahn 15. Oktober 2010 um 12:27 Uhr

    Sieht so aus, als müsstet ihr auf Soja-Produktion umstellen ;)

  1. 1 Rostock - Blog - 30 Jun 2010 Pingback am 01. Juli 2010 um 10:37 Uhr
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