Eine Antwort auf den Artikel „Für die Menschenrechte“
(veröffentlicht auf useless.blogsport.de)
Einen Tag nachdem wir am 04.02.2010 im Peter-Weiss-Haus eine Gründungs- und Infoveranstaltung abgehalten hatten, wurde auf der Blogseite http://useless.blogsport.de als Reaktion ein Schreiben veröffentlicht. Da der ca. zwei Din A4 Seiten lange Text uns und/oder die Tierbefreiungsbewegung an mehreren Stellen, vermutlich aus Missverständnissen heraus, falsch darstellt, haben wir uns trotz der einleitenden Polemik des Artikels dazu entschlossen, eine Antwort zu verfassen, die hoffentlich einige Sachverhalte richtigstellen kann.
Der Text proklamiert sich als ein Plädoyer für die Menschenrechte und sieht im Widerspruch zu diesen, den Ansatz Mensch und Tier nicht mehr in einem hierarchischen Verhältnis zueinander zu sehen. Dabei ist die Behautptung nicht richtig, dass alle Tiere einschließlich des Menschen in jeglicher Hinsicht gleichgestellt werden sollen, betrachtet mensch „Gleichstellen“ als einen Prozess der Homogenisierung. Denn zwischen allen Tierarten bestehen mehr oder weniger große Unterschiede in ihrer Art der Ausprägung und den verschiedenen Fähigkeiten, Stärken und Schwächen. Es gilt nicht, diese anzuzweifeln oder sogar zu verneinen. Im Raum steht lediglich die Forderung, nicht-menschliche Tiere nicht länger für vermeitliche Bedürfnisse des Menschen auszubeuten und diese Ausnutzung mit einem „Recht des Stärkeren“ oder gar dem Menschen als „Krone der Schöpfung“ zu rechtfertigen.
Ein solcher Schutz vor dem Menschen sollte allen anderen Tieren unserer Meinung nach nicht durch ein Recht, im Sinne eines Gesetzes, zukommen, sondern muss sich vielmehr aus einem individuellen und schließlich gesellschaftlichen Umdenken ergeben. Daher haben wir es uns auch zur Aufgabe gemacht, die Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren und auf das Leid, welches wir Menschen vielen anderen Tieren zufügen, aufmerksam zu machen. Wir fordern also keine rechtliche Gleichstellung aller Tieren (den Menschen inbegriffen). Vielmehr fordern wir, die Fähigkeit des Menschen, alle anderen Tiere unterdrücken und ausnehmen zu können, nicht länger als Privileg anzusehen, sondern die Fähigkeit auch überleben, ja sogar gut leben zu können, ohne auch nur ein einziges nicht-menschliches und menschliches Tier unterdrücken, diskriminieren oder töten zu müssen, als besondere Verantwortung zu erkennen.
Wir akzeptieren es allerdings, wenn Lebewesen, aus der Notwendigkeit zur Lebenserhaltung heraus, andere Lebewesen und deren Erzeugnisse ver- und gebrauchen.
Den Menschen nicht mehr gesondert von allen anderen Tieren, sondern als eine Spezies unter vielen zu sehen, gehört für uns u.a. zur Idee des Antispeziesismus. Die ablehnende Haltung dem gegenüber wird in „Für die Menschenrechte“ damit begründet, dass „der Ungleichbehandlung von Menschen aufgrund äußerlicher oder vermeintlicher biologischer Unterschiede Tür und Tor“ geöffnet würden. Dies ist zunächst lediglich eine Vermutung, die sich jedoch dadurch entkräften lässt, dass weder einzelne vermeintliche „Menschenrassen“ oder Minderheiten, noch alle Menschen ihre Rechte verlieren, sie also auf die derzeitige Stufe der anderen Tiere herabgesetzt würden. Ganz im Gegenteil würden die Menschenrechte in ihrer Gültigkeit sogar bestärkt, da nochmals auf einer allgemeineren Ebene betont würde, dass der Mensch weder seinen Artgenossen, noch anderen Arten Leid zufügen darf – und „dürfen“ ist in diesem Sinne moralisch gemeint. Des Weiteren bleibt das durch internationale Verträge festgelegte universelle Menschenrecht unangetastet, schon alleine, weil dieses, schwer verankert, durch kein Tierrecht, kein Tierschutzgesetz oder gar gesellschaftliches Umdenken in Bezug auf andere Tiere, in irgendeiner Weise beeinflusst werden könnte.
Im Text wird als Beispiel für die Gefahr des „Gleichmachens“ von menschlichen und anderen Tieren die tierähnliche Behandlung von „dunkelhäutigen Menschen“ vor noch 65 Jahren auch in Deutschland herangezogen. Anders herum könnte mensch auch argumentieren, dass es weniger problematisch hätte sein können, manchen Menschen das Menschsein abzusprechen, wenn sie weiterhin auf Grund der Würdigung die ihnen als Lebewesen zugestanden hätte, durch die weißen Menschen nicht benachteiligt bis versklavt worden wären. Aber dieses hypothetische Gedankenspiel nur am Rande.
Eine weitere große Frage, mit der sich im Artikel beschäftigt wird, lautet, ob und wie mensch den anderen Tieren ein Rechtsbewusstsein beibringen könnte. Die Antwort erübrigt sich mit dem erklärten Prinzip, dass lediglich ein auf die Tierbefreiung ausgeweiteter Tierschutz vom Menschen ausgehen soll. Die übrigen Tiere auch in ein Rechtssystem zu zwängen, in welchem sie sich konform zu verhalten hätten, würde der Schaffung einer Art Staat für nicht-meschliche Tiere gleichkommen und wäre entgegen unseres Freiheitsanspruchs. So stimmen wir in dem Punkt mit dem Artikel überein, dass „tierisches Leid“, wie es dort heißt, vom Menschen erkannt und ausschließlich von ihm gestoppt werden kann und muss. Dabei geht es darum alles in menschlicher Macht stehende Leid zu verringern und nicht das Unmögliche zu fordern, wie etwa nie wieder versehentlich eine Ameise zu zerquetschen.
Noch eine weitere kleine Ergänzung, da im Artikel Peter Singer im Zusammenhang mit der Tierbefreiungsbewegung genannt und sogar mit seinen Argumenten für die Bewegung argumentiert wurde. Wir wollen an dieser Stelle nochmals klarstellen, dass wir uns deutlich von ihm und seinen Ansichten distanzieren. Ebenso distanzieren wir uns uns von Peta, die unserer Meinung nach auf sehr populistische Art, teilweise sogar sexistisch arbeiten. Außerdem gehören sie zu den Verfechtern des Holocaustvergleichs, welchen wir strengstens ablehnen und zurückweisen. Vor allem die letzte Ergänzung war uns wichtig, da im Kommentarteil des Artikels auf den Holocaustvergleich angespielt wurde.
Tibero
danke für die antwort :)